Too Good To Go ermöglicht es, überschüssige Lebensmittel aus Schweizer Bäckereien, Cafés und Supermärkten zu rund einem Drittel des normalen Ladenpreises zu kaufen. Für Haushalte, die ein bis zwei Bags pro Woche abholen, sind die Ersparnisse real — allerdings variiert die Erfahrung stark je nach Anbieter und eigener Flexibilität.

Was ist Too Good To Go — und wie funktioniert es in der Schweiz?

Too Good To Go ist eine dänische App, die mittlerweile in über 17 Ländern aktiv ist. Sie verbindet Bäckereien, Restaurants, Cafés und Supermärkte mit Kund:innen, die bereit sind, nicht verkaufte Lebensmittel kurz vor Ladenschluss abzuholen. In der Schweiz ist die App seit 2020 verfügbar und wächst stetig — Partnerbetriebe gibt es in Zürich, Bern, Basel, Genf, Lausanne und vielen kleineren Ortschaften.

Man sucht im App-Store verfügbare «Magic Bags» in der Nähe, zahlt direkt in der App (typisch CHF 3.90 bis CHF 6.90 pro Bag) und holt die Tasche in einem festgelegten Zeitfenster ab — meist in den letzten 30 bis 60 Minuten vor Ladenschluss. Was in der Tüte steckt, bestimmt der Betrieb selbst; genau das macht das Konzept aus.

Laut foodwaste.ch produzieren Schweizer Haushalte jährlich rund 2.8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle — etwa 190 kg pro Person. Überschüsse in Bäckereien und Gastronomie sind ein wesentlicher Teil davon. Too Good To Go setzt genau dort an.

Wie viel spart man wirklich — Schweizer Preise im Überblick

Die App verspricht Bags mit einem Warenwert von mindestens dem Dreifachen des Kaufpreises. In der Praxis stimmt das Verhältnis bei Bäckereien und Patisserien meist gut, bei Restaurants eher weniger verlässlich.

AnbietertypTypischer Bag-PreisGeschätzter HandelswertErsparnis
Schweizer Bäckerei (z.B. lokale Ketten)CHF 4.90CHF 14–18~70%
Café / PatisserieCHF 5.90CHF 15–20~68%
Supermarkt (Coop, Migros Filialen)CHF 5.90CHF 12–16~60%
Asiatisches / mediterranes RestaurantCHF 6.90CHF 15–22~60–65%
Lidl Surplus-Bag (ausgewählte Filialen)CHF 3.90CHF 10–13~65%
Preise beobachtet in Zürich und Bern, Mai 2026. Handelswert ist eine Schätzung basierend auf regulären Regalpreisen.

Wer zweimal pro Woche einen Bäckerei-Bag holt, spart im Jahresvergleich schätzungsweise CHF 700 bis CHF 900 gegenüber dem regulären Einkauf — bevor eventuelle Impulskäufe auf dem Weg eingerechnet werden.

Welche Schweizer Anbieter bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis?

Bäckereien sind klar die beste Wahl. Ein Bag aus einer Schweizer Artisan-Bäckerei enthält oft mehrere Brote oder Brötchen, Gipfeli, Sandwiches oder Kuchen — Produkte, die einzeln CHF 5 bis 8 kosten. Drei bis vier davon für CHF 4.90 zu bekommen ist schwer zu schlagen.

Supermarkt-Bags von Coop oder Migros variieren stärker. Man bekommt frische Produkte nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum, Deli-Waren oder Fertiggerichte. Der Wert ist real, man muss aber bereit sein, die Inhalte innerhalb ein bis zwei Tagen zu verbrauchen oder einzufrieren. Unser Leitfaden zu Schweizer Haltbarkeitsdaten erklärt den Unterschied zwischen «Mindesthaltbar bis» und «Verbrauchen bis».

Lidl beteiligt sich in einigen Kantonen mit Bags ab CHF 3.90 — der günstigste Einstieg auf der Plattform. Aldi ist Mitte 2026 weniger präsent auf Too Good To Go in der Schweiz, das Angebot ändert sich jedoch laufend.

Restaurants können enttäuschen. Ein Bag für CHF 6.90 mit drei Portionen derselben Pasta ist technisch gesehen gutes Preis-Leistungs-Verhältnis — aber wer Abwechslung erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Bewertungen in der App lesen lohnt sich.

Hilft die App wirklich gegen Lebensmittelverschwendung?

Der ökologische Grundgedanke ist klar: Lebensmittel, die sonst im Abfall landen würden, werden stattdessen gegessen. Das BAFU schätzt, dass Lebensmittelproduktion rund ein Viertel der gesamten Schweizer Treibhausgasemissionen ausmacht. Weniger Abfall an jedem Punkt der Kette ist deshalb sinnvoll.

Ehrliche Einschränkung: Too Good To Go beseitigt Überproduktion nicht, es verwaltet deren Folgen. Eine Bäckerei, die täglich zu viel bäckt und weiss, dass der Überschuss über die App verkauft wird, hat weniger Anreiz, Mengen zu kalibrieren. Diese Kritik ist berechtigt. Die App ist ein nützliches Ventil — kein struktureller Wandel.

Für den einzelnen Nutzer ist der ökologische Vorteil pro Bag trotzdem real. Essen, das auf der Deponie landet, produziert Methan; Essen, das man isst, nicht. Wenn Lebensmittel sowieso existieren, ist Retten besser als Entsorgen.

Praktische Tipps für die Schweiz

  • Benachrichtigungen für Lieblingsanbieter aktivieren. Beliebte Bäckereien in Zürich und Genf sind innerhalb von Minuten ausverkauft, sobald ein Bag online geht.
  • Abholung auf dem Heimweg planen. Die meisten Zeitfenster liegen zwischen 17:00 und 19:30 Uhr — ideal für den Feierabend.
  • Mit dem Wochenmenüplan kombinieren. Wer weiss, dass am Donnerstag ein Mystery-Bag kommt, kauft früher in der Woche bewusster ein. Einis Einkaufsplanung hilft dabei, Mahlzeiten rund um vorhandene Zutaten zu planen — auch überraschende Bag-Inhalte.
  • Stabile Tragetasche mitnehmen. Bäckerei-Bags können schwer werden. Ein Jutebeutel ist besser als eine dünne Plastiktüte.
  • Rezensionen lesen. Manche Anbieter sind grosszügig; andere packen nur Reste vom Regal. In-App-Bewertungen spiegeln echte Kundenerfahrungen wider.
  • Einfrieren, was nicht sofort verbraucht wird. Brot aus dem Bäckerei-Bag lässt sich sehr gut einfrieren. Das streckt den Wert und passt zur grossen Strategie, Lebensmittelverschwendung im Haushalt zu senken.

Too Good To Go oder Reduziert-Sticker im Supermarkt — was ist besser?

Coop, Migros, Denner und Lidl kleben regelmässig gelbe oder orange Rabatt-Sticker auf Produkte nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum. Das ist eine direkte Alternative zu Too Good To Go für viele Einkäufer.

Vorteil der Reduziert-Sticker: Man wählt genau, was man kauft, sieht das Produkt vorher und kann die Ersparnis mit Treuepunkten kombinieren — Cumulus bei Migros, Supercard bei Coop, Lidl Plus bei Lidl. Nachteil: Timing. Preissenkungen erfolgen meist zu bestimmten Tageszeiten und sind schnell vergriffen. Unser Leitfaden zu wann Schweizer Supermärkte Rabatt-Sticker vergeben zeigt die besten Zeitfenster je Kette.

Too Good To Go erfordert weniger Planung — App öffnen, fertig — verlangt aber mehr Flexibilität beim Inhalt. Viele sparsame Schweizer Haushalte nutzen beide Strategien je nach Tag und Angebot.

Häufige Fragen zu Too Good To Go in der Schweiz

Ist Too Good To Go in allen Schweizer Kantonen verfügbar?

Das Angebot ist in den Städten am dichtesten — Zürich, Bern, Basel, Genf, Lausanne, Luzern, St. Gallen, Winterthur. In kleineren Ortschaften und ländlichen Kantonen gibt es weniger Anbieter, das Netz wächst aber seit 2020 stetig. Die App zeigt die Verfügbarkeit in Echtzeit am aktuellen Standort an.

Kann ich Too Good To Go trotz Nahrungsmittelallergien nutzen?

Die App zeigt für einige Anbieter Allergeninformationen an, aber ein Mystery-Bag garantiert nie den genauen Inhalt. Anbieter sind verpflichtet, Hauptallergene auf Nachfrage anzugeben. Bei schwerer Allergie sollte man vor der Abholung direkt beim Betrieb nachfragen. Vegetarische und vegane Filter sind für Anbieter verfügbar, die konsequent pflanzliche Bags anbieten.

Wie funktioniert die Bezahlung — kann ich bar zahlen?

Bezahlung läuft ausschliesslich über die App per Karte. Barzahlung ist nicht möglich. Nach dem Kauf erhält man einen QR-Code für die Abholung. Stornierungen sind bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vor dem Abholzeitfenster möglich; danach ist die Zahlung nicht rückerstattbar.

Lohnt sich Too Good To Go gegenüber dem Einkauf bei Aldi oder Lidl?

Das hängt vom Bag ab. Ein Bäckerei-Bag für CHF 4.90 mit CHF 15 Wert an Brot und Gipfeli schlägt fast jeden Supermarktpreis. Gezielt eingesetzt — hauptsächlich Bäckereien und Cafés — ist Too Good To Go eine der günstigsten Möglichkeiten, in der Schweiz gut zu essen.

Funktioniert Eini zusammen mit Too Good To Go?

Eini liest Bag-Inhalte nicht direkt aus Too Good To Go aus. Der Einkaufsplaner hilft aber, Mahlzeiten rund um vorhandene Zutaten zu planen — auch um unerwartete Bag-Inhalte. Einfach eintragen, was im Bag war, und unser Algorithmus schlägt vor, was sich daraus kochen lässt.

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